Traumhafte Jagd mit Jagdhunden

Traumhafte Jagd mit Laufhunden

Traumhafte Jagd mit Laufhunden

In jenem Herbst, Oktober 2013, war es schwierig unsere Rehmarken zu gebrauchen. Wir hier im Kanton Schwyz jagen die Rehe vom 1. bis 31. Oktober wobei Mittwoch und Sonntag Schontage sind, also keine Jagd stattfinden darf. Jeder Jäger erhielt eine Wahlmarke (Bock, nicht führende Geiss, Schmalreh und Kitz) und eine Kitzmarke (nur Kitzabschuss). Ich sagte meinen Kameraden, dass ich keine Rehgeissen und Schmalrehe schiessen werde. Es freute mich, dass sie sich damit einverstanden erklärten und sie ebenfalls keine weiblichen Rehe schiessen wollten. Ich will so meinen Teil gegen den schwindenden Rehbestand beitragen,

der meiner Meinung nach zurückzuführen ist auf steigende Rotwildbestände, Wilderei und Luchse.

Aussicht auf SeeNichts desto trotz genossen meine Mitjägerin und zwei Mitjäger die schönen Herbst- und Jagdtage. Meine drei Schwyzer Laufhunde gaben auch ihr Bestes um uns einen Erfolg zu bescheren. Im Kanton Schwyz wird fast der gesamte Rehabschuss vor laut jagenden Hunden getätigt. Meine damals achtjährige Hündin Heidi übertreibt manchmal ein bisschen, jagt sie doch bis zu zweieinhalb Stunden am gleichen Stück Wild. So auch an diesem verschneiten 11. Oktober 2013.

Der Morgenhimmel war mit schweren Schneewolken verhangen, als ich im Muotatal losfuhr. In Seewen holte ich meinen Mitjäger F. zur Jagd ab. Als wir Richtung Rothenthurm fuhren schneite es leicht und als wir den Sihlsee überquerten fielen grosse, schwere Schneeflocken vom dunklen Himmel. Am Treffpunkt an der Sattelegg 1190 m ü M., wo wir P. und T. trafen, lag 10-15 cm nasser Neuschnee und es schneite immer noch. Es war nicht gerade „amächälig“ in den verschneiten Wald zu stapfen. Aber richtige Jäger hält kein Wetter zurück und wir stellten den ersten Trieb entlang einer Waldstrasse ab. Nach nur wenigen Minuten ertönte Hundelaut, der sich Talwärts bewegte; das Warten begann. Das Reh probierte weit unterhalb in einem Kessel meine Hündin Heidi mit Widergängen loszuwerden, aber wie gesagt, sie ist hartnäckig und will zum Erfolg gelangen. Nach zwei Stunden begab ich mich zum Auto und informierte auf dem Weg die Kameraden, wo sie sich zum zweiten Trieb hinbegeben sollten. Beim Auto nahm ich schnell einen kurzen Aser. Beim Kauen hörte ich, wie der Hundelaut sich stetig auf meinen Standort zubewegte. Am Auto vorbei sah ich, wie Jägerin P. die Flinte hochriss. Sofort nahm ich meine Valmet Bockflinte Kaliber 12/76, schluckte meinen Bissen runter und schon kam das Rehkitz auf fünfzehn Meter ins Sichtfeld. Im Reflex schoss ich auf das Kitz, die Schrote der Federal Magnum Patrone Nr. 2 liessen es augenblicklich verenden. Zwei-, dreimal tief Durchatmen um das vergangene Aufzunehmen. Nach dem mir P. Weidmannsheil gewünscht hatte, kam Heidi laut jagend und Spur treu zum toten Kitz und dies nach über zwei Stunden Jagd. Das ist Laufhundejagd pur.

Der zweite Trieb war abgestellt, ich schnallte meine zwei älteren Hunde im Abstand von ca. fünfzehn Minuten. Meine Kameraden hatten eine Mulde abgestellt in die die Rehe gerne einwechselten. Anhand der Hundelaute ging die Jagd aber an der Mulde vorbei und weit hinauf bis auf die Höhenzüge. Ich erreichte die östliche, untere Ecke der Mulde und richtete mich auf einer kleinen Erhebung ein. Das Äste schneiden, dürres Laub und Äste beseitigen um sich geräuschlos zu bewegen, gehört bei mir automatisch zum Standbezug. Meine junge Hündin Trojka hatte ich an meiner Seite. Trojka streichelnd und zarten Meisenstimmen lauschend genoss ich den wunderschönen Tag. Es hatte aufgehört zu schneien, die Wolkendecke riss auf und die ersten Sonnenstrahlen blendeten mich im frischen Weiss. Doch was hörte ich!!! Hundelaut der sich den Berg herunter bewegte und die immer währende Frage: welchen Weg schlägt das Wild ein? In all diesen Gedanken springt ein Rehbock aus dem Jungwuchs in eine Freifläche. Hochreissen der Flinte, anschlagen und schiessen sind eine Bewegung. Nach seinem letzten Sprung fällt der Bock in die weisse Pracht, ein kurzes schlegeln. Der Schuss verhallt. Aber was ist das? Mein Schuss liess ein Alttier mit Kalb aus ihrem Lager hochspringen und das keine zwanzig Meter links von mir in der Dickung, mit Kurs auf mich. Auf ca. zehn Meter eräugte mich die Hirschkuh und drehte abrupt ab, das Kalb dahinter nahm mich jetzt auch wahr und in seinem Schreck stürzte es beim Abdrehen. Da sind wohl „Vier“ auf ganz unterschiedliche Weise überrascht worden. Jagdfieber. Heidi und Face, mein dreijähriger Rüde, jagten näher bis sie zum verendeten Bock gelangten. Ich ging zu den Hunden die beim erlegten Bock waren. Da lag er, ein Sechser mit schwachen Sprossen aber gut im Wildbret. Diese Jagd dauerte ca. eineinhalb Stunden, welche Freude und Eindrücke durfte ich wieder in diesen letzten Minuten erfahren. Nach dem Ausweiden ging es hoch zu einer Holzbank, wo wir unser Aser einnahmen, mit Ausblick über einen Teil unseres schönen Kanton Schwyz. Beim Hochsteigen machten wir noch ein Rudel Rotwild mit Brunfthirsch hoch.

Beim Aser hatten wir reichlich Gesprächsstoff, zwei Abschüsse, Rotwild, herrliche Landschaft, Hunde die super gejagt haben, was will man mehr!!!

Vielleicht noch ein Abschuss? Und so kam es.

WaldIm dritten Trieb jagten wir eine Lothar Sturmfläche die mittlerweile mit Birken-, Weiden-, Ebereschen-, Erlen-, Ahorn-, Fichten-, Tannen-, Lärchenjungwuchs und Brombeeren zum Teil bürstendick bewachsen ist. Nachdem meine Gefährten ihre Stände bezogen hatten, schnallte ich an der Ostkante meine Hunde. Auch diesmal kaum geschnallt fanden sie Rehfährten und los ging die Jagd. Ich kämpfte mich durch den Jungwuchs, der zum Teil fast undurchdringlich war. Dabei brauchte ich Worte, die ich hier lieber nicht zum Besten gebe. Endlich kam ich in etwas offeneres Gelände, wo man weiter als nur zehn Meter sehen konnte und schon sah ich über einen alten bewachsenen Murgang einen Bock, der sich entlang der gegenüberliegenden Murgangkante absetzte. Ich probierte auf meiner Seite die Höhe zu halten, aber in diesem Jungwuchs gelang es mir nicht. Die Hunde jagten anderes Rehwild in einem Bogen um unsere Stände herum, dass wir nicht zum Schuss kamen. Da mittlerweile die Hunde sich ausgetobt hatten kamen sie schon bald zurück und ich forderte sie mit „gang go suächä“ auf, weiteres Rehwild zu suchen, was ihnen schon bald gelang. Ich probierte Jäger F. über Handzeichen mitzuteilen, dass sich ein Rehbock in seiner unmittelbarer Nähe eingeschoben hatte, aber er konnte ihn in dem Jungwuchs nicht ausmachen. Mittlerweile bewegte ich mich sehr vorsichtig der Murgangkante entlang abwärts. Nicht allzu weit von der gegenüberliegenden Kante entfernt jagte ein Hund ebenfalls abwärts. Dies veranlasste den Bock seine Position zu verändern und kam mir in Anblick. Vorsichtig sichernd schob er sich langsam durch die Bäumchen. Als er dann stehenblieb und sich sichernd umschaute traf ihn meine Schrotgarbe, die er mit einem Absprung quittierte. Ich sprang so schnell es ging durch die Mulde um auf die gegenüberliegende Kante zu gelangen, aber wo war der Bock. Auf einem Baumstrunk hielt ich halsreckend Ausschau. Hier war der Jungwuchs viel offener. Ich konnte aber den Bock nirgends abspringen sehen, hörte auch keinen Schuss der anderen Jäger, die nicht allzu weit wegstanden, denn die hätte er passieren müssen, wäre er nach unten abgegangen. Also begab ich mich zum Anschuss. Im Schnee war der Anschuss glücklicherweise schnell zu finden und nur zwei Sprünge weiter lag der verendete Bock. Ein Jauchzer!!! Welch ein Glück, ein so vorsichtiges Wild zu überlisten in dem man ihm nachpirscht. Ich zog ihn zur nahen Strasse, wo ich die Kameraden traf und den Bock ausweidete. Wieder ein Sechser und ebenfalls gut im Wildbret.

An so einem besonderen Jagdtag war wohl alles Jagdglück an meiner Seite, konnte ich doch ein 8 Kg Kitz, einen 19 und einen 20 Kg Bock erlegen. Die Kameradschaft kam nicht zu kurz und wir waren mehr als zufrieden mit dem Ausgang dieses Jagdtages.

Die Hunde hatten sehr gut gejagt und kamen heil und gesund zurück. Kann man doch mit Recht stolz auf solche Laufhunde sein, die selbständig Wild suchen, es hoch machen und über solche Distanzen jagen. Ich weiss, es wird nicht allen Lesern gefallen, dass meine Hunde solange am Wild bleiben. Aber mir ist es lieber, ich kann ihnen ein Reh nach zwei Stunden abschiessen, als dass sie in dieser Zeit einige Rehe jagen und keines wird erlegt. Auch ist die Jagd mit Hunden die natürlichste Form der Jagd, denn so ist ein Knopfbock wie ein Sechser nur ein „Bock“ und nicht ein Trophäenobjekt. Nach meiner Meinung ist eine naturnahe Jagd auf Reh und effektive Jagd auf Sauen ohne Hunde gar nicht möglich.

Stini Inderbitzin
Ried-Muotathal

www.stini.ch
www.laufhund.ch

 

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