ein Traum wird wahr

Ein Traum wird wahr

im schwyzerischen Muotathal

Ein heisser Juliabend, vielversprechend um Träume wahr werden zu lassen. Steinbockverlosung im Regierungsgebäude von Schwyz. Ich rechnete mir zwar keine grosse Chance bei vierzehn Mitbewerbern aus, aber das Erhoffte tritt ein. Als Drittletzter zog ich das Abschusslos für einen Steinbock von 6-10 Schmuckknoten, dies beinhaltet gleichzeitig den Abschuss einer nichtführenden Geiss oder eines weiblichen Jahrtieres. Laut schwyzerischen Jagdvorschriften ist das weibliche Steinwild ohne Fehlabschuss zu schiessen, da sonst der Bockabschuss verfällt, bevor auf den Bock gejagt werden darf.

Mir war schnell klar, dass ich auf eine alte Geiss jagen will, da ich einen relativ jungen Bock zum Abschuss frei hatte. Trotz einigen Unkenrufen habe ich zuerst die reguläre Hochjagd beendet und mich erst dann um die Steinwildjagd gekümmert. So begab ich mich am 22. Sept. 2013, am späten Nachmittag erstmals seit langem zum „Feldstechern“ in die Muotataler Berge. Nach kurzer Zeit konnte ich ein weibliches Rudel

Ausmachen. Ein genaues Ansprechen war nicht möglich, da die Entfernung zu gross war. Anhand der Grössenverhältnisse habe ich mir ausgerechnet, dass zwei bis drei nichtführende Stücke dabei sind.

In der Dämmerung vom Montag des 23. Septembers machten sich Kägi Walter, mein Jagdkollege von der Hochwildjagd und ich, von Illgau Richtung Sulzmatt auf den Weg. Ein wunderschöner Tagesanbruch begleitete uns. Schon bald erspähten wir das gesichtete Rudel vom Vorabend. Tief unten in der Teufbachbräche. Zwölf weibliche Tiere, darunter Geissen mit Kitzen und Jahrtiere, bei ihnen ein Bock von ca. 8 Jahren. Drei Geissen lagen abseits vom Rudel, davon lag eine ca. 3-jährige Geiss unerreichbar in den Felsen, eine ca. 10-Jährige hielt sich in einer Geröllhalde auf und die Dritte stand hoch oben in der obersten Felswand. Auf diese wollte ich jagen. Von Körperhaltung und Aussehen her liess es sich auf eine alte Geiss schliessen.

Welch eine Ausgangslage, nicht nur beobachten, es galt ernst. Ich konnte auf dieses herrliche Bergwild jagen.

Nun war es soweit. Nach einer 2-stündigen Umgehung lagen wir im Chüeband auf 1650 Meter ü.M. in Schussweite und mussten nur noch warten bis sie heruntersteigt. Warten ist nicht gerade meine Stärke und darum kam mir die Zeit vom Mittag bis Abends nach 17.00 Uhr unendlich lang vor. Auch die Septemberhitze mit Föhn liess die Warterei nicht gerade kürzer erscheinen. Endlich stieg sie herab und kam zügig auf uns zu zum Äsen. Auf etwa 130 Meter konnte ich ihr das 11,7 Gramm schwere Teilmantelgeschoss aus meiner R93, die ich liebevoll „Shannon“ nenne, im Kal. 300 Win. Magnum antragen, was sie auch prompt quittierte und sie zwischen die Steine sinken liess. Jäger mit Gams

Aus voller Kehle erschallte ein „Bergjäger-Jutz“ als Erlösung der Anspannung und sicheres Zeichen der Erlegung des begehrten Wildes.

Nun begann der harte Teil der Jagd, die Bergung! Über sehr steile Grasplanggen kraxelten wir hoch zum Grat vom Heubrig. Als ich oben mit der Geiss ankam, dämmerte es bereits stark. Die Freude war riesengross als sich nach mehrmaligem Zählen herausstellte, dass sie 14,5 Jahre alt war und ein Gewicht von 25 Kilo auf die Waage brachte. Das rechte Horn misst 29 cm, das Linke 27,2 cm.

Die Steinbockjagd

Nach erfolgreicher Rehjagd begab ich mich am 12. Oktober bei Schneefall auf die Steinbockjagd. Auf dem Pragelpass lag ca. 20 cm Schnee. Beim Aufstieg von der unteren Schwialp in die Mittlere liess der Schneefall allmählich nach. Es erfüllte mich mit viel Freude, dass mich einer meiner Söhne auf diese einmalige Jagd begleitete. Walter Kägi, der wieder dabei war, sagte zu mir, es kann nur ein verrückter wie du bei Schneefall auf Steinbockjagd gehen. Mein jüngerer Sohn Kay lachte herzhaft. Aber dieser Schneetag sollte mich reichlich belohnen. Nach kurzem „feldstechern“ aus dem Kuhstall, wo wir uns vor dem Wetter zurückgezogen hatten, sahen wir die ersten Steinböcke. Die vier Böcke standen hoch in einer grossen Grasplangg in der zum Teil Lawinen abgegangen waren. Sie hielten sich zu weit oben und zu weit rechts im Hang auf, als dass man an sie herangekommen wäre. Wenn sie sich 150 Meter mehr links und tiefer aufgehalten hätten, wären sie in einer schiessbaren Distanz gewesen. (2) Also suchten wir weiter. Wenig später fanden wir sechs bis sieben weitere Böcke, unter denen auch welche in meiner Abschussklasse dabei waren. Mittlerweile hatte es aufgeklart und die Sonne brach durch, dass es uns schwer fiel die Augen offen zu halten. Als wir uns auf Schussdistanz genähert hatten, zog Nebel auf und so verschwanden sie zeitweise von der Bildfläche. Es wurde langsam Abend. Gegen 17.30 Uhr erblickte ich die vier Böcke vom Vormittag, in dem Geländeeinschnitt in dem ich sie am Morgen gern gesehen hätte. Nach eiligem Zusammenpacken unserer Ausrüstung stieg ich so schnell wie es möglich war, den Böcken entgegen. Auf einem kleinen Felsvorsprung der mit zerzausten kleinen Rottannen bewachsen war, hatte ich zwischen den Ästen Sicht auf die Böcke.

Da war der fast schwarze, mächtig im Körperbau und über 10 Jahre alte Bock, zwei etwa 7 und 8 Jahre alte Böcke und als letzten erspähte ich den 5-Jährigen. Zwischen den Tannästen hindurch war es, auch mit dem ZF Zeiss Diavari-ZM 2.5-10×48 T* Jubiläumsausgabe, schwierig eine Lücke zu finden, um einen sicheren Schuss zu machen. Aber als endlich um 18.00 Uhr der Schuss aus der R93 fiel, warf es den Bock augenblicklich von den Beinen. Er rutsche den Gras- und Schneehang an die 200 Meter hinunter. Wieder erschallte ein urchiger „Jutz“. Eiligst nahm ich den gefährlichen Abstieg von der Felsnase in Angriff. Beim erlegten Bock angekommen überkamen mich unbeschreibliche Gefühle, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich umarmte vor Glück meinen Sohn Kay und Jagdkamerad Walti, noch kaum fassend, wie schnell es am Schluss geklappt hat. In der Dämmerung machten wir die ersten Fotos.

ein Traum wird wahr

Beim Ausweiden wurde es „Dunkel“. So richtig finster wurde es in dieser Nacht in den Bergen aber nicht, da die Schneelage und das Mondlicht es verhinderten. Somit hatten wir genügend Licht für den Abstieg ohne künstliche Lichtquellen. Es war ein herrlicher abwechslungsreicher Jagdtag mit Schneefall, Sonnenschein, Nebel und am Schluss ein herrlicher Abstieg im Schnee bei Mondschein. Ein besonderer Tag, der mir ein unvergessliches Erlebnis bescherte und mich glücklich machte.

Tief in der Nacht haben wir endlich unser verdientes Abendessen genossen, Reh- und Steinbockherz mit „Bratgummäli“ und ausnahmsweise ein Glas Wein.

Bei der Ausmessung ergab der Bock ein Alter von 5 ½ Jahre mit je 10 Schmuckknoten, einem Gewicht von 44 Kilo, die rechte Hornlänge 54,5 cm und die linke Hornlänge 55 cm lang.

Welch eine Steinwildjagd. Gleich am 1. Tag klappte es, bei sommerlichen Temperaturen die Geiss zu erlegen. Wiederum am 1. Tag konnte ich den Bock erlegen, diesmal bei Schneegestöber, glänzendem Sonnenschein, Nebel und einem Abstieg bei diffusem Mondlicht durch Schleierwolken, das Klöntal gefüllt mit einem Nebelmeer.

Dank

Danken möchte ich meinem Sohn Kay, der mich auf der Bockjagd begleitet hat. Ebenso Walter Kägi, der mit mir an diesen zwei herrlichen Tagen unterwegs war und mit seinen super Fotos diese unvergesslichen Tage festgehalten hat. Seinem Bruder Albin der uns den Abtransport der Steingeiss wesentlich einfacher gemacht hat.

Speziellen Dank gehört aber unseren Altvorderen, die das Steinwild vor dem Aussterben bewahrt haben.

Besonderen Dank möchte ich meiner Lebensgefährtin Helena aussprechen, für das Verständnis gegenüber meiner jagdlichen Passion.

 

Stini Inderbitzin

Ried-Muotathal

Messer, Jagdreisen, Laufhunde